Wertstoffhof statt Gelbe Tonne | Hintergründe

Ausgangslage
Alle drei Jahre vereinbart der ZAW-SR mit den Betreibern des Dualen Systems wie sogenannte Leichtverpackungen gesammelt werden. Das sind alle Verpackun-gen außer Glas, Papier und Pappe. Für die Sammlung ab 2024 steht im nächsten Jahr die Entscheidung an.

Immer mehr Verpackungsmüll 
Das oberste, gesetzlich definierte Ziel fordert, möglichst wenig Abfälle zu produzieren.
Verpackungsabfälle haben trotz der seit Anfang der neunziger Jahre geltenden Verpackungsverordnung enorm zugenommen. Gerade auch die Kunststoffabfälle verzeichnen einen deutlichen Zuwachs. Weltweit sorgt ein hoher Anteil an schlecht entsorgtem Plastik für die Verschmutzung von Gewässern und Böden.

Die Gelbe Tonne hat einen großen Vorteil
sie ermöglicht eine äußert komfortable Sammlung der Verpackungsabfälle aus Kunststoff, Alu, Weißblech, Getränkekartons und Verbunden. 

Vorteile der Wertstoffhöfe überwiegen
Bei gründlicher Abwägung aller Faktoren sprechen gewichtige Argumente für die Wertstoffhofsammlung in unserer Region.

 

Qualität der Wertstoffe

Nur sortenrein getrennte Abfälle können gut verwertet werden.

Wie die Erfahrungen aus Gebieten mit einer Gelben-Sack- oder Gelben-Tonnenlösung zeigen, sind die erfassten Abfallmengen deutlich verunreinigt und weisen viele Fehlwürfe auf.  Ein großer Teil dieser Kunststoffverpackungen wird deshalb lediglich energetisch verwertet, also verbrannt.

Spürbare Verantwortung

Die Sammlung über den Wertstoffhof fordert zunächst mehr Aufmerksamkeit bei der Entsorgung der persönlichen Abfälle. Gleichzeitig lässt es aber unser Konsumverhalten bewusster werden. Die schnelle Entsorgung über eine Tonne suggeriert eine umweltfreundliche Lösung gemäß der Erkenntnis „Aus den Augen aus dem Sinn".

Entsorgungs-Mehrwert

Mülltrennung betrifft nicht nur Verpackungen. Elektrische Geräte, Metalle, Bauschutt, Gartenabfälle und viele andere Wertstoffe können über die Wertstoffhöfe entsorgt werden. Alle diese Rohstoffe sind wertvoll und deshalb extra zu erfassen. Die Gelbe Tonne schwächt die Bereitschaft, weitere Abfälle zu trennen, weil viele Menschen dann den Weg zur Sammelstelle unterlassen werden. Gerade kleinere Elektrogeräte mit ihren Rohstoffen und andere Ressourcen verschwinden dann umso schneller in der Restmülltonne.

Bedarfsorientiert

Der Entsorgungsrhythmus kann je nach eigenem Anfall selber bestimmt und mit anderen Fahrten kombiniert werden.

Mit der Gelbe Tonne steht immer das gleiche Volumen zur Verfügung. Am Wertstoffhof dürften bei einem Tonnensystem keine Verpackungen mehr angenommen werden - außer Papier und Glas. Diese werden nicht über die Gelbe Tonne erfasst.

Gebührenerhöhung durch Gelbe Tonne

Finanzierungsbeitrag der Dualen Systeme entfällt

Das Nutzungsentgelt der Dualen Systeme für die Wertstoffhöfe stützt unser Gebührensystem. Sollte dieses wegen der Gelben Tonne wegbrechen, verursacht das allein schon eine Gebührenerhöhung von ca. 8 Prozent.

Alles in einer Hand

Der ZAW-SR steht als zentraler Ansprechpartner für sämtliche Abfälle zur Verfügung. Im Falle einer Gelben Tonne wird von den Dualen Systemen ein privates Entsorgungsunternehmen beauftragt, das dann für diesen Teil der Abfälle verantwortlich ist.

System an die Region angepasst

Unser Verbandsgebiet Stadt Straubing und Landkreis Straubing-Bogen ist ländlich strukturiert und mit einem Netz gut ausgebauter Wertstoffhöfe ausgestattet. Die Sammlung über die Gelbe Tonne erfordet einen hohen logistischen Aufwand. Die Fahrten zum Wertstoffhof sind ohnehin in vielen Fällen gut in den Alltag intergriert.

Mangelnde Transparenz

Bis heute geben die Dualen Systeme keine Auskunft über die konkreten Verwertungswege der Verpackungen, egal bei welchem Sammelsystem. Bei der Erfassung über Wertstoffhöfe ist durch die Qualität des Materials der Grundstein für eine hochwertige Verarbeitung gelegt.

Erkenntnisse zum Thema Kunststoffverwertung

EU Umweltkommissar Virginijus Sinkevicius:

 „Kunststoffabfälle sind eine wachsende Herausforderung, deren Aufkommen seit 2014 um 75% zugenommen habe. Wir sollten uns nicht selber anlügen, dass wir uns aus dieser Situation herausrecyceln können. Das ist einfach nicht möglich". Er unterstrich damit die Notwendigkeit der Abfallvermeidung.

Euwid - Recycling und Entsorgung - 40.2021

"Laut Plastikatlas 2019, einer Studie von Böll-Stiftung und Bund, werden nur zwischen 15 und 20 Prozent des anfallenden Plastikmülls zu Rezyklat verarbeitet und dann für neue Produkte wiederverwendet. Weltweit ist der Anteil noch deutlich geringer. Die Verarbeitung zu Reyzyklat ist 20 bis 30 Prozent teuerer und lohne sich in den meisten Fällen einfach nicht."

"Gesammelt und Sortiert", Süddeutsche Zeitung vom 20.10.2021 

Patrick Hasenkamp, Vizepräsident des Verbands kommunaler Unternehmen und Leiter der Abfallwirtschaftsbetriebe Münster:

„Wir begrüßen den Vorschlag der EU-Kommission zur Abfallverbringungsverordnung: Es ist richtig und notwendig, den Export vor allem von Kunststoffabfällen stärker zu beschränken.

Der Export ist zum einen klimaschädlich, da beim Transport Emissionen entstehen. Zum anderen kann Abfall in Deutschland und der EU durch die besseren Recyclingverfahren gut wiederverwertet werden.

Seit dem Erlass der Verpackungsverordnung vor 30 Jahren ist die Herausforderung, Kunststoffe zu recyceln, bekannt – jedoch wurde zu wenig getan. Es ist daher nicht nachvollziehbar, dass es in Deutschland bis heute noch immer keine ausreichenden Kapazitäten gibt, um alle Kunststoffabfälle hochwertig zu verwerten. Statt Ländern wie der Türkei oder Malaysia unseren Abfall vor die Tür zu kippen, sollte Deutschland endlich mehr Kapazitäten für das Recycling vor allem auch von Kunststoffabfällen aufbauen.

Zudem müssen wir bei der Herstellung gegensteuern: Die Recycelbarkeit von Kunststoffverpackungen nimmt tendenziell eher ab, da immer häufiger mit Verbundstoffe aus unterschiedlichen Materialfraktionen bei einer Verpackung genutzt werden. Hier brauchen wir wirksame Anreize für die Kunststoffverpackungsindustrie. Ein Mittel dazu wäre, die seit 2021 geltende EU-Kunststoffsteuer für nicht recycelte Kunststoffverpackungen auf die Hersteller umzulegen. Aktuell wird sie leider immer noch aus dem Bundeshaushalt und damit durch die Steuerzahler finanziert.

Schließlich ist uns wichtig, dass die gemischten Siedlungsabfälle weiterhin dem Nähe- und Autarkieprinzip unterliegen, also die Mitgliedstaaten selbst für die Entsorgung ihres Restmülls zuständig sind. Diese Regelung dient dem Schutz kommunaler Entsorgungsstrukturen und einer guten Planbarkeit der Kapazitäten von Behandlungsanlagen. Hier muss weiterhin der Grundsatz gelten: Gemischte Siedlungsabfälle gehören zur kommunalen Daseinsvorsorge, ein schrankenloser sogenannter „Mülltourismus“ wäre hier fehl am Platz. Getreu dem Motto: Jeder fege vor seiner eigenen Tür! …und der beste Abfall ist immer noch der, der nicht entsteht.

VKU-Statement zur neuen EU-Verordnung zur Verbringung von Abfällen. November 2021